Meissener Rose
Die Blumenmalerei ist tief in der Tradition der Porzellanmanufaktur Meissen verwurzelt, in dieser stetig gewachsen und wird bis heute gepflegt. Gleich anderer Dekore steht in Meissen die Darstellung von blühenden Pflanzen auf Porzellan bis in die dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts unter dem Einfluss ostasiatischer Vorbilder. Prachtvolle Abbildungen wie in Apothekerbüchern dienen später als Vorlagen für Blumendarstellungen auf dem noch jungen europäischen Porzellan. Die von den Vorlagen übernommene Steifheit der Formen lässt den Begriff der „Trockenen Blumenmalerei” aufkommen. Die „Meissener Rose“ ist Teil der sich daraus entwickelnden deutschen Blumenmalerei der 1740er Jahre, die sich bereits näher an natürlichen Vorbildern orientiert. Die Blumenmalerei stellt ein eigenes Genre in der Porzellanmalerei dar, für deren Spezialisierung die Porzellanmaler viele Jahre der Erfahrung brauchen. Denn obgleich Dekor und Anordnung vorgegeben sind, arbeiten die Blumenmaler freihändig. Nach einer eigenen lediglich leichten Vorzeichnung mit Bleistift auf dem jeweiligen Objekt, werden die Blumen bis in die feinsten Blattstrukturen von Hand auf das Porzellan aufgetragen.
  • Historie
    Den Stillleben alter Meister nachempfunden, tritt die Rose ab 1740 als Motiv in der Porzellanmalerei auf. Zunächst in Bouquet-Form, wird die Rosenblüte in der folgenden Marcolini-Zeit als Einzelmotiv beliebt. Camillo Graf Marcolini steht nicht nur über vier Jahrzehnte an der Spitze der Manufaktur, sondern leiht einer Gruppe klassizistischer Blumenmalereien auch seinen Namen. Aus dieser heraus entwickelt sich im Biedermeier die anmutige „Meissener Rose”. Die Ausführung entspricht den besonders plastischen Blumenstilleben im Stile Georg Friedrich Kerstings. Der Dresdner Maler und Zeitgenosse Caspar David Friedrichs, ist Zeichenlehrer und Vorsteher der Meissener Blumenmalerei zu jener Zeit. Obgleich er diese Phase in seiner Funktion als Vorsteher der Malereiabteilungen geprägt hat, sind keine Entwürfe nachweisbar, die es erlauben, ihn als deren künstlerischen Urheber zu bezeichnen.
„Anmutig ranken die roséfarbenen und weißen Rosen auf dem Porzellan. Die Blüte leicht geöffnet, verströmt die ‚Meissener Rose‘ eine klassische Eleganz wie kaum ein anderer Dekor.“
  • Handwerkskunst
    Die Blumenmalerei stellt eine Spezialisierung in der Porzellanmalerei dar, die den Malern äußerste Präzision, Abstraktionsvermögen und jahrzehntelange Erfahrung abverlangt. Wenn auch Dekor und Anordnung vorgegeben sind, entstehen Blumendekore in Freihandmalerei, die jedes Stück zu einem Unikat macht. Während der Komposition der „Meissener Rose“ muss der Maler besonders vorausschauend arbeiten. Für die Hauptpartien steht ihm lediglich ein eher stumpfes Braun zur Verfügung. Durch unterschiedlich starkes Auftragen vermag er sowohl das spätere Erscheinungsbild als auch die Farbintensität der Blüte zu beeinflussen. In einem abschließenden dritten Brand findet eine Verwandlung statt und die Rose gewinnt ihre strahlende Farbigkeit.