MEISSEN × WASSILY KANDINSKY Edition
  • In der Grafischen Sammlung des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) befinden sich seit den 1920er Jahren sechs von insgesamt neun bekannten Aquarell¬entwürfen des Bauhaus-Meisters Wassily Kandinsky für Tassen und Teller. Die Entwürfe sind während Kandinskys Zeit in Russland im Zuge seiner Ver¬bindungen zur Staatlichen Porzellanmanufaktur inSt. Petersburg entstanden. Sie stellen im Gesamt¬werk des Künstlers etwas Besonderes dar. Es sind keine weiteren Arbeiten von ihm im Bereich der an¬gewandten Kunst bekannt. 1922 nahm Kandinsky die Entwürfe mit nach Deutschland, wo er sie mit latei¬nischen Buchstaben neu signierte. Unmittelbar nach seiner Übersiedlung präsentierte er im Herbst 1922 auf der ERSTEN RUSSISCHEN KUNSTAUSSTELLUNG in Berlin eine nach seinem Entwurf bemalte Tasse.
    Im Nachlass Kandinskys im Centre Pompidou, Paris, hat sich aus dem persönlichen Besitz des Künst¬lers eine Tasse mit Untertasse erhalten, die dieMarke der gekreuzten blauen Meissener Schwerteraufweist. Daraus resultiert die Annahme, dass Kandinsky beabsichtigte, seine Entwürfe in Deutsch¬land mit der Porzellanmanufaktur Meissen umzusetzen. Aufgrund dieser Tasse haben sich die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) und die Porzellanmanufaktur Meissen darauf verständigt, anlässlich des Jubiläums der Gründung des Bauhaus die sechs in der Sammlung des Museums erhaltenen Entwürfe des Bauhaus-Meisters 100 Jahre nach ihrer Entstehung erstmals vollständig in einer hochwertigen Edition zu realisieren.
„Als „Burg der Moderne“ ist das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) auch im 21. Jahrhundert ein bedeutendes Museum seiner Zeit.“
  • Wassily Kandinskys wurde im Juni 1922 an das Bau¬haus berufen. Zu diesem Zeitpunkt galt er als einer der wichtigsten Protagonisten der Moderne und Weg¬bereiter der ungegenständlichen Kunst. Als Nachfolger Schlemmers übernahm er bis Oktober 1925 zunächst die Leitung der Werkstatt für Wandmalerei. Daneben unterrichtete er im Vorkurs Abstrakte Formelemente und Analytisches Zeichnen. Ab dem Wintersemester 1926/27 war er bis zur Schließung des Bauhauses 1933 Leiter des Unterrichts in der Malerei.
    Als einer der Begründer der ungegenständlichen Kunst schuf Kandinsky 1911 seine ersten abstrakten Kom¬positionen, bei denen der Natureindruck noch als Ausgangsbasis erahnbar ist. Aus dieser Phase seiner künstlerischen Entwicklung stammen die Dekorentwür¬fe aus dem Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), die das Museum unter seinem Direktor Alois J. Schardt Ende der 1920er Jahre vom Künstler übernahm.
    Im Rahmen des Jubiläums 100 Jahre Bauhaus kommt dem Künstler, der sich in Dessau mit Paul Klee eines der berühmten Meisterhäuser von Walter Gropius teilte, eine besondere Bedeutung und Aufmerksamkeit zu. In der Ausstellung BAUHAUS MEISTER MODERNE. DAS COMEBACK (Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), 29.09.2019–12.01.2020) sind zum einen sämtliche Dekorentwürfe für die MEISSEN X KANDINSKY EDITION im Original zu sehen – eine seltene Gele¬genheit, da die lichtempfindlichen Aquarelle nur in größeren zeitlichen Abständen präsentiert werden können, zum anderen sind vier der einstmals acht freien Aquarelle des Künstlers, die 1927 und 1929 vom Museum angekauft wurden, ausgestellt. Im den Bauhaus-Meistern gewidmeten Ausstellungsteil sind darüber hinaus internationale Leihgaben, u. a. aus dem Centre Pompidou in Paris, zu sehen, die das Werk Kandinskys zwischen 1919 und 1933, den Jahren des Bauhauses in Weimar, Dessau und Berlin, vorstellen.