„Tischkultur“: damals wie heute im Trend
  • À table! In französischen Haushalten sind es dieser Aufruf – wörtlich übersetzt “zu Tisch” – mit dem die Familie gebeten werden, für das Abendessen Platz zu nehmen. Über die wörtliche Bedeutung hinaus ist es natürlich ein Verweis auf etwas viel tiefergreifendes als das gegenständliche Möbelstück: seitdem die Zivilisation in Gruppen und mit der Vorstellung eines Mahls isst, wird dem Tisch ein sakraler Teil der Kultur zu eigen.

    Im Deutschen steht der recht nüchterne Begriff der “Tischkultur” ebenso stellvertretend für die kulinarischen Höhenflüge der Spitzengastronomie. Schon seit der stilstiftenden Etablierung des ersten europäischen Porzellans durch August den Starken bieten die feinsten Exemplare des keramischen Erzeugnisses die Möglichkeit die delikatesten Speisen zu Tisch zu bringen – sei der Anlass königlich, politisch oder (heutzutage geläufiger) im eigenen Heim.

    Wie bei der Mode unterlag auch der bescheidene (oder vielleicht weniger bescheidene) Tisch unterschiedlichen Trends, die den Geist der Zeit und ihre kollektiven Geschmäcker widerspiegelten. Im 17. Jahrhundert – noch vor MEISSEN – war es eine Mischung aus blauen und weißen chinesischen Porzellanen, die Gäste und Gastgeber gleichermaßen begeisterten. Mit der Erfindung des europäischen Porzellans und Gründung der ikonischen Manufaktur, war MEISSEN schon bald in der Lage ganze Service anzubieten, die den Ton des 18. Jahrhunderts angaben. In den 1730er Jahren zierten zahlreiche Figuren die königlichen Banketts. Diese ersetzten Zuckerskulpturen, die bis dahin stets zeitgleich mit den Desserts ihren Auftritt hatten – ein Brauch der seinen Ursprung im Italien des 16. Jahrhunderts findet. Die Meissener Figuren stellten typischerweise Szenen aus dem höfischen leben dar, so zum Beispiel die Jagd oder das Theater.
„Mit der Erfindung des europäischen Porzellans war MEISSEN in der Lage ganze Service anzubieten, die schon Bald den Ton des 18. Jahrhunderts angaben.“
  • Tischtrends von heute haben natürlich ein etwas freieres Selbstverständnis als zu Zeiten des Barock. Beim Fine Dining des 21. Jahrhundert – vor allem zu Hause – geht es um den Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Das Mischen ist ebenso wichtig wie der rote Faden und die Bedeutung von Opulenz überträgt sich auf jede noch so extravagante Darstellung im Zeichen des eigenen Geschmacks.

    Sei es durch das Kanalisieren minimalistischer Designtrends im schlichten Weißgeschirr, wie dem puristisch weißen Porzellan der „Wellenspiel“ Serie, deren elegante Formen einzig durch Reliefs oder charakteristische Gekreuzte Schwerter verziert werden. Oder dem „Royal Blossom“ Dekor mit seinen zurückhaltenden Details und romantischer Entstehungsgeschichte. Oder bedeutet es sogar Akzentstücke und Akzentteller? Dessertschalen, die einer harmonischen Konstellation ein komplementäres je ne sais quoi verleihen oder kunstvolle Prunkstücke, geschaffen um gesehen zu werden. Wir denken unweigerlich an die Leuchtkraft der „New Splendour“ Serie. Vielleicht dienen historische Figuren oder Objekte, persönliche Liebhaberstücke als Ausgangspunkt angeregter Unterhaltung: Tischgespräche, deren Mittelpunkt der Tisch selbst ist.

    Es gibt so gut wie keine Entschuldigung, jedem noch so exquisitesten Mahl mit gedecktem Tisch Paroli zu bieten.