Glüh- & Glattbrand

-
GlühbrandNeben der sorgfältigen Zusammensetzung der Grundmasse sind vor allem die Fortschritte in der Brenntechnik entscheidend dafür, dass Anfang des 18. Jahrhunderts in Meissen das Porzellan seinen Durchbruch erleben konnte. Hunderte Stunden verbringen die Porzellanobjekte dabei bei unterschiedlichen Hitzegraden in den Öfen. Direkt nach dem Trocknen durchlaufen sie den ersten Brand – den sogenannten Glühbrand.
Bei Temperaturen von rund 950 Grad Celsius festigt sich die Struktur des Porzellans und es entsteht ein poröser, saugfähiger Scherben, der die Grundlage für alle weiteren Arbeitsschritte bildet. Auf diesen verglühten Rohlingen werden die Unterglasurmalereien aufgetragen und das Markenzeichen der gekreuzten Schwerter aufgemalt. Der Glühbrand ist damit die erste „Feuertaufe“ des Porzellans und legt den Grundstein für seine mechanische Stabilität, seine weitere Verarbeitung und die spätere strahlende Qualität.
-
GlattbrandNachdem die Porzellane einmalig gebrannt und mit Glasur versehen wurden – bei Geschirrstücken in der sogenannten rosa Tauchglasur, bei Figuren häufig durch feines Besprühen – folgt der Glattbrand. Bei Temperaturen von bis zu 1.400 Grad Celsius verschmilzt die Glasur vollständig mit dem zuvor porösen Porzellan.
Während des Glattbrandes, der je nach Größe und Komplexität der Stücke mehrere Tage dauern kann, schrumpft das Porzellan um etwa ein Sechstel seines ursprünglichen Volumens. Nur wenn Massezusammensetzung und Brenntechnik perfekt aufeinander abgestimmt sind, entsteht die charakteristische Härte, die kristallklare Glasur und der hohe Weißgrad, die echtes Meissener Porzellan auszeichnen. Dieser letzte Brennvorgang macht aus den zuvor porösen Rohlingen ein langlebiges, strahlend glattes und formbeständiges Kunstwerk.