Handwerkskunst
„Die Grundlage des Werkmäßigen aber ist unerlässlich für jeden Künstler. Dort ist der Urquell des schöpferischen Gestaltens.“.
  • Farblabor
    Seit 1720 besitzt die Manufaktur Meissen ein eigenes Farblabor, in dem alle Auf- und Unterglasurfarben selbst hergestellt werden. In ihrer Anfangszeit ist es der Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt, der die Farbentwicklung der ersten Porzellanmanufaktur Europas vorantreibt. Die Höroldt‘sche Grundpalette beträgt 16 feuerfeste Aufglasurfarben sowie die Unterglasurfarbe Kobaltblau, die bis heute für das Schwertern des Meissener Porzellans verwendet wird. Rund 300 Farben zählen heute zum Standardrepertoire der Meissener Porzellanmaler. Ein kleiner Teil der etwa 10.000 Farbrezepturen, die das manufaktureigene Farblabor bewahrt, um jede Nuance historischer Meissener Porzellanfarben wieder aufbereiten zu können. Ihre genaue Zusammensetzung ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis und nur wenigen Mitarbeitern zugänglich.
  • Drehen und Gießen
    Das Formen aller Meissener Porzellane erfolgt nach einer von drei Techniken: Drehen, Gießen, Formen. Teller und Tassen werden von Hand auf Drehscheiben geformt. Als Rohling gedreht erhalten sie ihre Konturen durch eine Gipsform, in die sie gedreht werden. Eine Schablone sorgt für die nötige Stärke. Für das Gießverfahren wird die verflüssigte Porzellanmasse in eine mehrteilige Gipsform gegossen. Hier verdichtet sie sich nach ausreichender Trockenzeit zum Scherben. Die überschüssige Gießmasse wird ausgegossen. Damit dieser unbeschädigt entnommen werden kann, werden die Keilstücke der Gipsform eins nach dem anderen entfernt. Die bis zu 100 Einzelteile einer Plastik werden durch das Pressen in Gipsformen gefertigt. Hierfür wird die Porzellanmasse von Hand in Formhälften eingedrückt. Anschließend werden beide Hälften aufeinandergepresst. Nach der vorgegebenen Trockenzeit werden die Einzelteile entnommen und an die Bossierer weitergegeben.
  • Bossieren
    Stets in vielen Einzelteilen konzipiert und geformt, erhalten Meissener Figuren und Plastiken von Bossierern ihre endgültige Form. Mit Schlicker, der flüssigen Porzellanmasse, viel Geschick und der richtigen Balance aus Druck und Fingerspitzengefühl fügen sie die einzelnen Teile zusammen. Kleinere Dekorelemente wie Blätter, Blüten und Festonen werden von Hand frei oder mit Hilfe von Gipsformen geformt und an der Figur angebracht. Mit einem Modellierholz und anderem Werkzeug lassen sich zuletzt Details wie Lockenschwünge oder Mimik ausarbeiten und die Quetschnähte der Einzelteile retuschieren. Bossierer bringen Klarheit in die Figur und legen im Sinne des Modelleurs letzte Hand an die Form.
  • Glühbrand
    Neben der Zusammensetzung der Grundmasse sind es wesentliche Fortschritte in der Brenntechnik, die Anfang des 18. Jahrhunderts in Meissen die Entdeckung des Porzellans ermöglichen. Hunderte Stunden verbringen Porzellanobjekte bei verschiedenen Hitzegraden in den Öfen. Ihre Feuertaufe erhalten die Porzellane direkt nach dem Trocknen beim ersten sogenannten Glühbrand. Bei Temperaturen von 950° C festigt sich hier die Struktur des Porzellans zu einem porösen, saugfähigen Scherben. Alle Unterglasurmalerei sowie das Schwertern aller Meissener Porzellane findet direkt auf diesen verglühten Rohlingen statt.
  • Glattbrand
    Einmalig gebrannte Porzellane erhalten in der rosa Tauchglasur – oder Figuren durch Besprühen – ihre Veredelung. Denn beim anschließenden Glattbrand von bis zu 1.400° C verschmilzt die Glasur mit dem porösen Porzellan, das beim Brennen über bis zu sechs Tagen um etwa ein Sechstel schrumpft. Nur wenn Massezusammensetzung und Brenntechnik optimal aufeinander abgestimmt sind, lassen sich die besondere Härte und der hohe Weiß-Grad echten Meissener Porzellans erzielen.