Orangerie
Bei der Sichtung historischer Formen im Meissener Manufakturarchiv fällt Otto Drögsler eine Serie barocker Dosen in Form exotischer Früchte auf. Im 18. Jahrhundert geschaffen, dienen die Porzellandosen als Teil aufwendiger Tafeldekorationen der Demonstration von Reichtum und Weltgewandtheit, zählen Südfrüchte doch zum absoluten Luxus jener Zeit. Im Rahmen der Kollektion „Orangerie“ verleiht Drögsler den barocken Originalformen einen modernen Anstrich, erweitert die historische, naturalistische Staffage um zwei neue Dekore: monochrom und Glanzgold. In naturalistischer Ausführung werden plastische Elemente von den Porzellanmalern der Manufaktur herausgearbeitet. Der Dekor verschmilzt dabei mit der detailreichen Oberflächengestaltung. Die Goldauflagen auf weißem Grund verleihen der historischen Form eine moderne Erscheinung und betonen ihren Objektcharakter. Für die monochrome Staffage – ein Novum im Dekorrepertoire Meissens – wird jede Obstdose von Hand gespritzt, um ein gleichmäßiges, mattes Finish zu erzielen. Die Objekte der Kollektion sind so gestaltet, dass sie sich als Ensemble, Einzelstücke oder in gemischten Dekoren gleichermaßen eindrucksvoll inszenieren lassen. Mit seiner Reinterpretation eines Meissener Klassikers holt Otto Drögsler das Barock ins Jetzt und schafft traditionsreiche Wohnaccessoires im Geist der Zeit.
  • Südfrüchte in Porzellan zu verewigen verdeutlicht den hohen Stellenwert, den diese im 18. und 19. Jahrhundert einnehmen. Aufgrund der hohen Kosten des direkten Imports und der langen Reise, auf der das exotische Obst oft verdirbt, beginnt der Adel in ganz Europa eigene Gewächshäuser für deren Anbau in gemäßigtem Klima zu errichten, sogenannte Ananashäuser und Orangerien. Südfrüchte sind zur damaligen Zeit vor allem Prestigeobjekte und ein Symbol des absoluten Luxus. Als Teil kunstvoller Tafeldekorationen gelten sie nur selten dem Verzehr, werden stattdessen wieder und wieder verwendet, bis sie zu faulen beginnen. Mit der Nachformung in Porzellan gewinnt das exotische Obst an Lebensdauer, büßt jedoch keineswegs seinen repräsentativen Charakter ein.
„Im Rahmen der Kollektion ‚Orangerie‘ schafft Otto Drögsler zeitgenössische Dekore, die barocke Opulenz mit grafischem Purismus vereint.“