• 1708
    Erfindung des ersten europäischen Porzellans

    Im 17. Jahrhundert steht ganz Europa im Bann des chinesischen Porzellans. Mit reinweißem Scherben, einzigartiger Formbarkeit und prachtvollen Dekoren übertrifft es jedes keramische Erzeugnis der Zeit an Qualität und Finesse. So kostbar und selten sind die asiatischen Porzellane, dass man ihnen auch magische Eigenschaften zuspricht: Es zerfalle, wenn es mit Gift in Berührung komme.

    Es beginnt eine regelrechte Sammelwut im europäischen Adel. Besonders stark davon betroffen ist August der Starke, Kurfürst von Sachsen, der von sich sogar behauptet von einer maladie de porcelaine befallen zu sein. Er scheut keine Mühen und Kosten, um an die begehrten Porzellanwaren zu gelangen. Zwar ist die Schatulle des Kurfürsten durch den reichen Erz- und Silberbergbau in Sachsen gut gefüllt, doch haben Prunk und Prachtentfaltung ihren Preis. So können europäische Kaufleute in Asien ausschließlich mit Gold und Silber zahlen – ein Umstand, der den Sonnenkönig Ludwig XIV. dazu veranlasst, das Tafelsilber in Versailles einschmelzen zu lassen, um die Einfuhr der exotischen Waren zu finanzieren.

    Als Ausweg aus dieser wirtschaftlichen Schieflage hofft August der Starke, wie viele Regenten seiner Zeit, auf den Erfolg seiner Alchemisten, die das Geheimnis entschlüsseln sollen, aus einfachen Metallen Gold zu machen.

    1702 holt er hierfür den jungen Alchemisten Johann Friedrich Böttger nach Dresden. Zwei Jahre experimentierte Böttger vergeblich und wird schließlich nach einem vereitelten Fluchtversuch nach Wien unter die Aufsicht des Mathematikers und Physikers Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gestellt.

    Die Zusammenarbeit erweist sich als äußerst fruchtbar. Zusammen mit dem Bergbaubeamten Gottfried Pabst von Ohain und Freiberger Berg- und Hüttenleuten erforscht Böttger nun systematisch verschiedene Masseversätze und prüft in Versuchsreihen das Verhalten sächsischer Tonerden im Brand.

    Im November 1707 zeigen sich die ersten Resultate. Böttger gelingt es, ein rotes Steinzeug oder „Jaspisporzellan“ herzustellen.

    Dessen Herstellung gleicht der von weißem Porzellan. Es muss lediglich der rote Ton durch weißes Kaolin – dem letzten Puzzleteil – ersetzt werden. Am 15. Januar 1708 gelingt schließlich das Brennen des ersten weißen europäischen Porzellans. So nimmt der Wunschtraum August des Starken Gestalt an – das europäische Hartporzellan ist erfunden. Am 6. Juni 1710 gründet August der Starke die erste europäische Porzellanmanufaktur als „Königlich-Polnische und Kurfürstlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur“. Produktionsstätte ist für mehr als 150 Jahre die Albrechtsburg zu Meißen. Hier meint man das Arkanum, das Geheimnis der Porzellanherstellung, sicher.

    Doch es bleibt nicht lange ein Geheimnis und schon bald werden in ganz Europa weitere Manufakturen gegründet. Um die herausragende Qualität des Meissener Porzellans zu sichern und seine Echtheit zu markieren, folgt ab 1722 die Verwendung der aus dem kursächsischen Wappen entlehnten Gekreuzten Schwerter´ als eins der weltweit ältesten, fortwährend verwendeten Markenzeichen.

  • 1720
    Chinoiserien

    Im 18. Jahrhundert herrscht in Europa eine regelrechte Chinamode, die nicht zuletzt auf die Faszination für das chinesische Porzellan und die reichen Bildwelten seines Dekors zurückzuführen ist. Mit der detailgenauen Nachbildung ostasiatischer Formen und Dekore beginnt auch die Geschichte der Porzellanmanufaktur Meissen. Die ab den 1720er Jahren gefertigten Meissener Porzellane spiegeln deutlich die Beschäftigung mit ostasiatischen Vorbildern wider. Es entstehen Dekore sowie Tassen- und Kannenformen, die die Vermischung ostasiatischer Impulse und europäischer Traditionen verdeutlichen. Beim Transfer von Motiven kommt es auch zu Missverständnissen: Berühmtestes Beispiel ist das Meissener „Zwiebelmuster“, das keine Zwiebeln, sondern eigentlich Pfirsich und Melone zeigt. Diese frühe Schaffensperiode der Manufaktur ist eng verbunden mit dem Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt, der 1720 von Wien nach Meißen kommt. Unter seiner Leitung werden in der Manufaktur die ersten hitzebeständigen Unter- und Aufglasurfarben entwickelt, mit denen ungeahnt farbenprächtige Dekore möglich werden.

    Seine berühmten Chinoiserien zeigen die Traumwelt der Europäer des 18. Jahrhunderts: paradiesische Gärten mit stilisierten Pflanzen- und Tierornamenten sowie szenische Darstellungen aus dem asiatischen Leben. Höroldt schafft Dekormotive, die richtungsweisend sind für alle anderen Manufakturen Europas. Herausragende Beispiele sind die „Indianischen Blumen“ sowie der „Gelbe Tiger“ und der „Kakiemon“ Dekor.

  • 1730
    Großplastiken

    Um 1730, zwei Jahrzehnte nach der Gründung, beginnt die sogenannte plastische Periode der Manufaktur, in der zahlreiche Großplastiken im barocken Stil jener Zeit entstehen.

    Ausgangspunkt ist das Japanische Palais in Dresden, dessen Ausgestaltung zum Porzellanschloss für August den Starken ein zentrales Anliegen ist.

    Zwischen 1730 und 1736 kreieren die Modelleure Johann Gottlieb Kirchner und Johann Joachim Kaendler eine Vielzahl an lebensgroßen Tierplastiken im Auftrag des Kurfürsten. Seine Porzellanmenagerie einheimischer und exotischer Tiere dient ihm als Mittel der Repräsentation.

    Mit den Großplastiken betreten die Meissener Modelleure nicht nur künstlerisch absolutes Neuland, sondern stellen auch die damalige Manufaktur vor ungeahnte technologische Herausforderungen.

    Für das Studium der Tiere nutzen Kirchner und Kaendler die Kunst- und Naturalienkammern, das Jagd- und Bärenhaus sowie das Wildgehege des Moritzburger Jagdschlosses. Exoten wie den Elefanten oder das Rhinozeros kennen die Künstler nur vom Hörensagen oder von Gemälden. Ihre kuriosen Ausformungen in Porzellan – heute zu sehen im Eingangsbereich des Museums der Meissen Porzellan-Stiftung – entspringen dabei ganz der Kreativität Kirchners.

    Bis heute ist die Geburt einer lebensgroßen Tierplastik aus dem Feuer der Brennöfen ein festliches Ereignis. Ihre Wirklichkeitstreue und Akkuratesse der Formgebung sind in diesen Dimensionen unübertroffen.

    Im Jahr 1733 stirbt August der Starke.

    Kirchner verlässt die Manufaktur und Johann Joachim Kaendler wird im gleichen Jahr zum Modellmeister der Porzellanmanufaktur Meissen ernannt.

  • 1748
    Tafelaufsätze

    Opulente Feste als Symbol der Macht und Prachtentfaltung prägen das Leben am sächsischen Hof. Politik, wirtschaftliche Stärke und Kulturniveau sollen imposant zur Schau gestellt werden. In die Ausgestaltung der Feste werden alle Künste einbezogen. Selbst der Herrscher und seine Gäste sind Teil der Inszenierung. Sie verkleiden sich als Jahreszeiten, Elemente, Erdteile und als antike Gottheiten. Diese thematische Ausrichtung spiegelt sich auch in der Porzellangestaltung wider. Allegorische Figuren mit subtil erotischen Anspielungen sind Teil der Tisch- und Tafelzier jener Zeit. Die mythologische Erhöhung August des Starken erfolgt in Form von prächtigen Tafelaufsätzen. Galante Porzellanfiguren voller Zweideutigkeiten, kokett und anzüglich, dienen der anregenden Kommunikation. Ziel ist das glanzvolle Zurschaustellen der absoluten Macht.

    Berühmtestes Beispiel hierfür ist „Der große Ehrentempel“ von Johann Joachim Kaendler aus dem Jahr 1748. 

  • 1739
    Schneeballblüten

    Ausgehend vom französischen Hof findet in Europa ein Stilwandel statt. Nicht mehr die Asienmode ist gefragt, sondern vielmehr ein opulenter europäischer Stil, der sich eigenen Motiven widmet.

     

    Dieser Wandel fordert auch in Meißen die Einführung neuer, von den ostasiatischen Vorbildern losgelöster Dekore und Formen, die zugleich den nun vorherrschenden üppigeren Geschmack des Rokoko befriedigen. Eine der herausragendsten künstlerischen Arbeiten dieser Zeit sind die „Schneeballblüten“ von Johann Joachim Kaendler, der bis heute als einer der bedeutendsten Modelleure der Manufaktur Meissen gilt. 1739 schafft Kaendler auf Geheiß von August III. ein Service, mit dem der König seiner Gemahlin Maria Josepha von Österreich seine Liebe zeigt.

    Überreich auf Tassen, Vasen oder Dosen gesetzt, stellt der Blütendekor die Bossierer, Maler und Brennmeister der nur 30 Jahre zuvor gegründeten ersten Porzellanmanufaktur Europas vor neue Herausforderungen. Jede einzelne Blüte wird von Hand geformt, mit einem spitzen Werkzeug auf das Gefäß aufgetragen und anschließend einzeln von Hand bemalt. Mit den „Schneeballblüten“ setzt MEISSEN bereits kurz nach der Gründung ästhetische sowie technische Maßstäbe bei der Gestaltung von Porzellan, die richtungsweisend sind für andere Manufakturen Europas.

  • 1737
    Schwanenservice

    Es ist ein eindrucksvolles Zeugnis einer vergangenen, glanzvollen Epoche, das Opus Magnum deutscher Barockkunst: das „Schwanenservice“ von Johann Joachim Kaendler. 1737 von Heinrich Graf von Brühl in Auftrag gegeben – seinerzeit Erster Minister unter August III. – dauert es fünf Jahre bis das Jahrhundertservice vollendet ist. Niemals zuvor war ein Ensemble in diesem Umfang und so reich an opulenter plastischer Gestaltung geschaffen worden. Das für einhundert Personen konzipierte Service umfasst mehr als 2.200 Einzelteile.

    Das Hauptmotiv der dekorativen Ausarbeitung sind Schwäne, die sowohl als Flachreliefs wie auch als plastische Figuren, als Gefäße in Schwanengestalt auftauchen. Obgleich dieses Grundmotiv dem Service seinen Namen verleiht, wird das Geschirr durch zahlreiche andere Gestalten belebt, die der griechischen Mythologie entnommen sind. Für diese lässt sich Kaendler von Zeichnungen und Kupferstichen aus grafischen Sammlungen der nahegelegenen Haupt- und Residenzstadt Dresden inspirieren. Jedes Gefäß stellt eine Variation des mythologischen Leitmotivs dar. Glaukos, Galatea und ihr Gefolge, Meeresnymphen, Tritonenkinder und Delphine – allen gibt Kaendler als Teil des Service ihre barocke Gestalt in Porzellan. Das „Schwanenservice“ ist ein bildgewaltiges Ensemble aus Formen, üppigen Dekorationen und Lichtspielen, die die kühnsten Erwartungen ihres Auftraggebers übertrifft. 

  • 1722
    Jagd

    Um 1722, schon kurz nach ihrer Gründung, werden Jagddekore ins Repertoire der Manufaktur Meissen aufgenommen. Die mit Tier- und Jagd-Motiven verzierten Vasen, Geschirre und Pokale gehören zum Inventar der vielen Jagdschlösser August des Starken.

    Einer der wichtigsten Vertreter dieses Genres szenisch-figürlicher Dekoration ist der Porzellanmaler Johann Georg Heintze, ein Schüler Höroldts. Früh spezialisiert er sich auf Parforcejagd-Szenen, die nach Kupferstichvorlagen von Johann Elias Ridinger und Georg Philipp Rugendas auf Servicegefäße und Vasen übertragen werden. Dabei sind nicht originalgetreue Kopien gefragt, sondern fantasievolle Kompositionen, welche die Hauptmotive aus den Vorlagen freistellen oder in heimische Landschaftsszenerien versetzten.

    Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert sind es weniger dramatische Szenen, welche die Meissener Jagdmotive auszeichnen: In kräftigen Farben gemalte Wildtiere und Vögel zeigen die Tiere in ihrem Lebensraum, repräsentieren die Idylle des Waldes. Seit dieser Zeit sind sie unverzichtbarer Bestandteil einer naturbezogenen bürgerlichen Speise- und Tafelkultur.

    Neben der malerischen Umsetzung spielt das Thema Jagd auch in der Meissener Formgestaltung bis heute eine wichtige Rolle. Auf besonders spektakuläre Art zeigen dies die 2004 von Jörg Danielczyk geschaffenen Jagdleuchter, deren dünnes Eichenlaub aus Porzellan das Können der Bossierer der Manufaktur herausfordert.

  • 18. Jahrhundert
    Mythologie

    Bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts bedienen sich Meissener Künstler der antiken Mythologie als ergiebige Motivquelle für das eigene Schaffen.

     

    Ob Frauengestalten als Musen, üppige Genien als Verkörperung der Künste oder als barocker Triton im epochalen „Schwanenservice“ Kaendlers – in den figürlichen und gestalterischen Porzellanausarbeitungen spiegelt sich die Fantasie und das meisterliche Können Meissener Kunsthandwerker jener Zeit wider.

     

    Im Klassizismus wird die Antike gar zum verbindlichen gestalterischen Programm, in dem sich Ornamente und Dekormotive bewusst an die architektonischen Vorlagen der Antike halten. MEISSEN befasst sich stärker mit der Formgebung von Servicen, aber auch mit schmückenden Ornamenten, wie Friese, Festons und Girlanden. Winckelmanns Sicht auf die Antike ist dabei maßgebend; die antiken Skulpturen der Königlichen Sammlung im Japanischen Palais und in der Osthalle des Stallhofes in Dresden die Vorlagen.

  • 1764
    Auf der Suche nach dem Stil

    Mit dem Siebenjährigen Krieg zwischen 1756 und 1763 endet die erste Blütezeit Meissens. Die mit ihm verbundenen Entbehrungen erschweren gar den Fortbestand der Manufaktur.

    Zeitgleich führen Humanismus und Aufklärung in Europa zu neuen bürgerlich orientierten Wertvorstellungen. Ausgehend von Frankreich tritt ein neuer Kunststil, der Klassizismus, seinen Siegeszug in ganz Europa an. Eine Rückbesinnung auf die Welt der Antike, die von archäologischen Funden in Herculaneum und Pompeji befeuert wird.

     

    1764 kommt der französische Modelleur Michel Victor Acier nach Meißen, um neue künstlerische Impulse im Geist der Zeit zu setzen. Er prägt wie kein anderer die Marcolini-Periode der Manufaktur, benannt nach Graf Marcolini, der 1774 Manufakturdirektor wird.

     

    In dieser Zeit verdrängt eine strengere Orientierung an Architektur- und Zierformen der Antike die barocke Farbgebung zugunsten einer Camaieu- oder Ton-in-Ton-Malerei. Sogar auf die Glasur wird eine Zeit lang verzichtet.

     

    Mit dem Tod Höroldts und Kaendlers im Jahr 1775 scheiden zwei der wichtigsten Künstler der Meissener Manufakturgeschichte. Sie legten den Grundstein für alles darauf folgende künstlerische Schaffen.   

  • 1806
    Die Königlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur

    Mit der Entstehung des Königreichs Sachsen firmiert die Manufaktur ab 1806 als „Königlich-Sächsische Porzellan-Manufaktur“. 1814 wird Bergrat Carl Wilhelm von Oppel als Nachfolger Marcolinis zum neuen Direktor der Manufaktur ernannt. Er setzt notwendige Veränderungen auf künstlerischem, technischem und betrieblichem Gebiet in Gang. Mit der Berufung Heinrich Gottlob Kühns holt er einen Betriebsinspektor nach Meißen, dem die wichtigsten technisch-technologischen Innovationen dieser Zeit zuzuschreiben sind. 

    Bereits 1817 entwickelt er die neue Unterglasurfarbe Chromoxidgrün, mit deren Hilfe Johann Samuel Arnold einen neuen, populären Dekor schafft: den „Vollen Grünen Weinkranz“.

    In seiner Amtszeit führt Kühn außerdem den Rundofen ein und erfindet 1827 das sogenannte Glanzgold – eine Vergoldungstechnik, bei der anders als beim Poliergold keine Politur nach dem Dekorbrand erforderlich ist. Mit ihm lassen sich erstmals auch detailreiche Reliefs vollflächig vergolden.

    Ab 1831 wird die Manufaktur dem königliche Finanzministerium als Aufsichtsbehörde unterstellt.

  • 19. Jahrhundert
    Industrialisierung

    Durch die Industrialisierung steigt Mitte des 19. Jahrhunderts die Kaufkraft des Bürgertums. Porzellan, das im vorigen Jahrhundert allein dem Adel vorbehalten war, wird nun breiteren Schichten der Bevölkerung zugänglich. Mit der steigenden Nachfrage für Meissener Porzellan wächst auch das Verlangen nach neuen Formen und Dekoren, um das Repräsentationsbedürfnis des zu Wohlstand gekommenen Bürgertums zu bedienen.

    Eine Schlüsselfigur dieser Zeit ist Ernst August Leuteritz, der in den Jahren von 1849 bis 1886 die Gestaltungsabteilung der Manufaktur leitet. Unter seiner Führung schöpfen die Meissener Modelleure und Porzellanmaler jener Zeit aus dem reichen Erbe der Manufaktur, zitieren in neu geschaffenen Formen und Dekoren frei aus vorangegangenen Stilepochen. In  dieser Periode des Historismus entstehen zahlreiche Porzellane in verschiedenen Neostilen.

    Der wichtigste dieser Stile ist das Neo- bzw. Zweite Rokoko, das seine Wurzeln in der Opulenz und vielfältigen Formensprache des Meissener Barock hat. Mit ihm beginnt die zweite Blütezeit der Manufaktur.

    Besonders hervorzuheben sind die auf den Weltausstellungen gezeigten Prunkvasen, Gefäße und Figuren von Ernst August Leuteritz, dem die Manufaktur unter anderem die „Schlangenhenkelvasen“ verdankt. Das imposante Gefäß entwickelt sich zu einem Klassiker der Manufaktur.

    Schon bald werden die Räume der Albrechtsburg zu klein, ihre Wege zu lang oder zu umständlich. Ein historischer Schlossbau scheint nicht mehr der richtige Ort für einen modernen Manufakturbetrieb.

    Von 1861 bis 1864 folgt der Neubau der Betriebsstätte im Triebischtal. Bis heute ist hier der Standort der Porzellanmanufaktur Meissen.

  • 1907
    Das neue Selbstverständnis – Moderne Kunst in Porz

    Im 19. Jahrhundert zeichnet sich das Schaffen der Manufaktur Meissen durch die technisch und handwerklich perfekte Reproduktion nach kunsthistorischen Vorlagen aus. Das originär-kreative, künstlerische Element spielt in der Porzellangestaltung kaum mehr eine Rolle. Im Nachgang der großen Weltausstellungen 1851 in London und 1867 in Paris hat diese Rückwärtsgewandtheit der Manufaktur eine heftige Kritik zur Folge und führt zu starken Diskussionen über deren gestalterische Ausrichtung. Viele fortschrittliche Künstler dieser Zeit suchen einen Ausweg aus der konservativen akademischen Kunstwelt und finden diesen im Jugendstil des frühen 20. Jahrhunderts. Junge künstlerische Manufaktur Mitarbeiter prüfen unvoreingenommen diese ästhetische Möglichkeit für das Porzellanund schlagen neue Wege für seine Gestaltung ein. Eine dem modernen Zeitgefühl gemäße Porzellankunst entsteht. Beispiele sind die „Hentschelkinder“ von Julius Konrad Hentschel und die „Kugelspielerin“ von Walter Schrott.

     

    1907 wird der Dresdner Fürstenzug mit Meissener Porzellan eingeweiht. Eine Wandgestaltung, welche aus 25.000 handbemalten Platten besteht. Es ist das größte keramische Wandbild der Welt.     

    1916 wird die an die Manufaktur anliegende Schauhalle als Modellsammlung und Museum für Meissener Porzellan im Triebischtal eröffnet.  

  • 1918
    Max Adolf Pfeiffer und die 20er Jahre

    1918 erfolgt mit dem Sturz der deutschen Monarchie die Umbenennung zur Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen.        

    Im gleichen Jahr wird Max Adolf Pfeiffer zum Direktor der Manufaktur ernannt. Unter seiner Leitung erreichen die künstlerischen Leistungen bei MEISSEN eine Höhe, die vergleichbar ist mit denen der ersten Blütezeit im 18. Jahrhundert. Pfeiffer verpflichtet Künstler wie die Ausnahmetalente Paul Scheurich, Max Esser, Ernst Barlach und Gerhard Marcks, die dem Porzellan neue Ausdrucksmöglichkeiten verleihen. Es entstehen zeitgemäße Figuren, Gefäße und Dekore, die Bezug nehmen auf die großen Schöpfungen Johann Joachim Kaendlers im 18. Jahrhundert und zugleich wegweisend sind für die Porzellankunst des 20. Jahrhunderts.

               

    1919 erfolgen die Nacherfindung und der Eintrag der Bezeichnung „Böttgersteinzeug” in die Warenzeichenrolle des Patentamtes Berlin. 

    Aus Anlass des 200. Todestages von August dem Starken wird im Jahr 1933 eine Neuausformung des Ehrentempels angefertigt. ‘Der große Ehrentempel’ wurde von Johann Joachim Kaendler im Jahr 1748 gefertigt und vermutlich am 5. März 1749 anlässlich des Namenstages von Friedrich August II. verwendet. Der Tafelaufsatz in der Art eines Triumphbogens besteht aus 123 Einzelteilen und ist der größte seiner Art aus Meissener Porzellan. Die Ausformung aus der Zeit Kaendlers gilt bis heute als verschollen.             

  • 1941
    MEISSEN zur Zeit des Nationalsozialismus

    Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in der Manufaktur ist nicht dokumentiert. Der Blick in die Akten lässt aber die ambivalente Situation der Manufaktur erkennen: Ein Betriebsapell vom 2.10.1941 etwa verkündete das Ziel, ein nationalsozialistischer Musterbetrieb zu werden. Die Bestellung von Servicen, Büsten, Medaillen und Plastiken zahlreicher hochrangiger Partei- und Armeeangehöriger, aber auch von Ministern und Diplomaten bezeugen diese Ausrichtung. 1942/43 wurde eine neue Abteilung für chemisch-technisches Porzellan gegründet und die Manufaktur übernahm auch Rüstungsaufträge. Sie konnte sich so über den Krieg retten und ihre Mitarbeiter zum Teil vor dem Fronteinsatz bewahren.

     

    Generell war während des zweiten Weltkriegs die Produktion von Porzellan erschwert, da Material oder auch Personal knapp waren. Im Jahr 1945 ruht die Arbeit vollständig. 

    1950 wird das Unternehmen von der sowjetischen Besatzung an die DDR zurückgegeben.    

  • 1960
    Kollektiv Künstlerische Entwicklung

    In den 1960er Jahren gründet sich die Künstlergruppe „Kollektiv Künstlerische Entwicklung“, die das Erscheinungsbild Meissener Porzellans der Gegenwart maßgeblich prägt. Wichtige Vertreter sind der Formgestalter Ludwig Zepner, der Plastiker Peter Strang und die Maler Heinz Werner, Rudi Stolle, Volkmar Brettschneider.   

     

    Anfang der siebziger Jahre entsteht die Serviceform „Großer Ausschnitt“ von Ludwig Zepner. Fast jedes Jahr werden in der Folgezeit für das Serviceensemble neue Dekore in unterschiedlichen Maltechniken geschaffen.

    Einen Höhepunkt dieser Entwicklung bildet die Dekoration „Tausendundeine Nacht“ von Heinz Werner. Er inszeniert mit ihr eine bewegungsreiche szenische Miniaturmalerei voller Fantasie, die von der orientalischen Märchenwelt inspiriert ist.        

        

    Der Zwiespalt von künstlerischem Anspruch und kommerziellen Interessen ist schon immer eine der größten Herausforderungen des Manufakturbetriebs. Seit Ende der siebziger Jahre entwickelt sich mit den „Atelierporzellanen“ eine Produktion von unikalen Werken, mit denen Meissener Plastiker, Maler und Designer neue Wege der Porzellangestaltung beschreiten und frei experimentieren.

     

    Die über 300jährige Geschichte der Manufaktur dient den Künstlern dabei stets als Quelle der Inspiration. Formal lehnen sie sich an historische Modelle an und greifen auf traditionelle Techniken für den künstlerischen Ausdruck zurück, setzen diese aber stets in einen neuen Kontext. Diese Kombination aus Kontinuität in der Gestaltung Meissener Porzellane und dem stilistischen Esprit der Zeit ist die Arbeitsgrundlage allen Schaffens der Manufaktur Meissen.

  • 1991
    MEISSEN nach der Wiedervereinigung

    Seit dem 26.6.1991 befindet sich die „Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH“ im Eigentum des Freistaat Sachsen als alleiniger Gesellschafter.     

    1992 tritt mit Silvia Klöde, Jörg Danielczyk, Gudrun Gaube, Olaf Fieber, Sabine Wachs und Andreas Herten eine neue Generation von Künstlern das Erbe des „Kollektivs Künstlerischer Entwicklung“ an. Unter der Meissener Designerin Sabine Wachs entsteht

    1996 nach dreijähriger künstlerischer Entwicklungsarbeit die neue „Wellenspiel“ Serviceform, mit der die Manufaktur Meissen das neue Jahrtausend gestalterisch einläutet.

    2000 wird die weltweit erste Orgel mit einem klingenden Register Orgelpfeifen aus Meissener Porzellan unter der Leitung Ludwig Zepners und in Zusammenarbeit mit Orgelbauern hergestellt.