Affenkapelle
In der Manufaktur Meissen werden über die Jahrhunderte hinweg verschiedenste Sammelfiguren und motivische Porzellanserien im jeweiligen Stil ihrer Zeit gefertigt. Ihren Anfang hat diese lange Tradition im 18. Jahrhundert und der gehobenen Tischkultur des Spätbarocks. Figuren aus Zucker, Marzipan oder Tragant sind im höfischen Leben der damaligen Zeit unverzichtbarer Teil der aufwändigen Tafeldekorationen. Sie begleiten jedes Festmahl mit hintergründiger Satire, verstecktem Humor und verschlüsselten Botschaften. Mit der Erfindung des Hartporzellans Anfang des 18. Jahrhunderts fangen Meissener Kunsthandwerker an, die Zuckerbäcker in der Fertigung der Tafeldekorationen abzulösen. Die Lebensdauer verlängert sich und schon bald finden die Porzellanfiguren Einzug in die Kunstkabinette des Adels und wohlhabendem Bürgertums. Mit steigender Nachfrage erweitert sich auch das Formenrepertoire der Manufaktur, das neben religiösen und mythischen Themen sowie Szenen des kursächsischen Hofs bereits Mitte des 18. Jahrhunderts volkstümliche Sujets umfasst. Die Porzellansammlungen wachsen und werden vermehrt speziellen Themen untergeordnet und zunehmend kuratiert. In ihnen drücken sich der Feinsinn und das Stilempfinden des Sammlers aus. Es ist der Beginn einer Sammeltradition für Meissener Porzellan, die bis heute währt.
  • Affenkapelle
    Mitte des 18. Jahrhunderts von Meistermodelleur Johann Joachim Kaendler entworfen, ist die „Affenkapelle“ ein herausragendes Beispiel des Meissener Barocks. Das Sujet der Singerie – Darstellungen von Affen, die auf oft parodistische Weise menschliches Verhalten imitieren – war damals insbesondere in Frankreich sehr beliebt. Ganze Räume ließ man von den Wänden über die Möbelstoffe und Teppiche bis hin zum Porzellan mit den komischen Szenen dekorieren. Zeichnungen des berühmten französischen Singerie-Malers Christophe Huet dienten als Vorlage für dieses Ensemble aus Porzellan: im Stil des Rokoko ausstaffierte Affenfiguren, in kunstvoller Handarbeit zusammengefügt und detailreich bemalt. Aus den Brennöfen der Manufaktur gelangten die Figuren sehr schnell nach Paris zurück. So sicherte sich Madame de Pompadour, Mätresse von König Ludwig XV., 1753 eine der ersten „Affenkapellen“ überhaupt.
„Die ‚Affenkapelle‘ von Kaendler ist ein herausragendes Beispiel des Meissener Barocks und setzt eine Sammeltradition für Meissener Porzellan in Gang, die bis heute währt.“
  • Johann Joachim Kaendler
    Johann Joachim Kaendler ist der Erste und bis heute einer der bedeutendsten Modelleure der Manufaktur Meissen, der mit seinem Schaffen den Ruhm der ältesten Porzellanmanufaktur Europas begründet. 1706 in Fischbach bei Dresden geboren, kommt der junge Hofbildhauer des sächsischen Kurfürsten 1731 nach Meißen. Als Modelleur von lebensgroßen Tierplastiken für das Japanische Palais macht er sich schnell einen Namen, widmet sich den anspruchsvollen Aufträgen des Kurfürsten und modelliert in rascher Folge epochale Objekte, die die Grenzen des Porzellans neu definieren. Von ähnlicher Bedeutung sind auch die Gefäße, Geschirre und Service, die unter seiner Leitung entstanden sind, allen voran das 1742 geschaffene „Schwanenservice“. Mit ihm kreiert Kaendler das am reichsten dekorierte und mit 2.200 Teilen größte Service der Meissener Manufakturgeschichte.
  • Affenmusiker
    Mit den „Affenmusikern“ greift Peter Strang ein barockes Meisterwerk auf und interpretiert die historische Vorlage in seinem unnachahmlich expressiven Stil. Bewusst reduziert er die Figuren auf das Wesentliche, konzentriert sich auf ihren Ausdruck, arbeitet vor allem die Kopf- und Handpartien sorgfältig aus. Auch die Staffage ist farblich klar gehalten in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Dem Kaendler’schen Vorbild stehen Strangs Musikanten an Virtuosität und künstlerischer Perfektion in nichts nach. Für seine heitere Kapelle entwickelte der Bildhauer und Modelleur einen ganz neuen Arbeitsstil: Er verzichtete auf Modellformen und baute jede der Figuren frei von Hand auf.
Peter Strang
Ganz gleich, ob sich Peter Strang den großen Themen des Theaters und der Mythologie oder den volkstümlichen Sujets des Märchens widmet: Immer ist es seine humorvolle, ironische und dabei doch komplexe Formensprache, die seine Figuren unverwechselbar macht. Getreu seiner Maxime, die Grenzen des Machbaren auszuloten, schöpft Peter Strang die ästhetischen Möglichkeiten des Porzellans für seine Kreationen in Gänze aus. Mit der meisterlichen Fähigkeit, alle Spielarten menschlicher Empfindungen in seinen Figuren zum Vorschein zu bringen, setzte er zuerst als Modelleur und später als Chefplastiker künstlerische Maßstäbe bei MEISSEN. Für sein mehr als 50 Jahre währendes Wirken in Europas ältester Porzellanmanufaktur erhielt Peter Strang im Jahr 2000 den Sächsischen Verdienstorden und 2007 das Bundesverdienstkreuz.
Kampagnen
  • 01
    Schwanenservice
    Das „Schwanenservice“ von 1738 ist ein Hauptwerk der barocken Meissener Porzellankunst. Nach mehrjährigen Probearbeiten entsteht das Prunkservice mit dem aufwändigen Reliefdekor.
  • 02
    Limited Edition
    Der eigene umfangreiche Fundus an Formen und Farben war Inspiration für die neue „Limited Edition“ und präsentiert wiederaufgelegte Klassiker sowie historisch beeinflusste Neuschöpfungen.