Unikate
Meissener „Unikate“ sind das Ergebnis einmaliger kreativer Auseinandersetzungen mit dem Werkstoff Porzellan, im Rahmen derer außergewöhnliche Ideen für angewandte Formen- und Dekorentwürfe entwickelt werden. Regelmäßig werden hierfür nationale wie internationale zeitgenössische Künstler nach Meißen eingeladen - insbesondere jene Künstler, die zuvor noch nie mit Porzellan gearbeitet haben, die nicht selten die Grenzen des technisch Machbaren ausreizen. Während ihrer Zeit in Meißen steht ihnen die Expertise der Manufaktur und ihren Kunsthandwerkern zur Verwirklichung ihrer Ideen zu Verfügung. Darüber hinaus genießen sie künstlerische Freiheit und können sich neben angewandten Entwürfen auch auf dem Gebiet der freien Kunst verwirklichen. Bereits in den 1920er Jahren bringt Generaldirektor Max Adolf Pfeiffer die Manufaktur durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit externen Künstlern wie Ernst Barlach, Paul Scheurich und Gerhard Marcks zu künstlerischer Höchstleistung. Bis heute sind Meissener "Unikate" Kunstobjekte, die ohne Arbeitsform und Modell entstehen und daher nicht in Serie produziert werden. Sie stehen sinnbildlich für die Innovationskraft Meissens, mittels derer die traditionelle Handwerkskunst der Manufaktur durch gestalterische Fragen der Jetztzeit stets weiter vorangetrieben wird.
„meissener unikate sind künstlerische auseinandersetzungen mit dem werkstoff porzellan, die regelmäßig die grenzen des technisch machbaren ausreizen und so neue maßstäbe setzen.“
Otto Piene
Es war insbesondere die Unberechenbarkeit des Materials Porzellan sowie dessen Auf- und Unterglasuren, die Otto Piene (1918 – 2014) besonders reizten und mit denen er in ihren unterschiedlichsten Materialzuständen, bis hin zu flüssiger Porzellanmasse, in seiner Zeit bei MEISSEN experimentierte.
  • K.O. Götz
    Gestisch und in hoher Geschwindigkeit trägt der Künstler K.O. Götz (1914-2017) dunkle Porzellanfarbe auf das ungebrannte Porzellan, um diese unmittelbar in ebenfalls schnellen Bewegungen mit einem Rakel zu durchfahren und teilweise wieder abzutragen. Mittels eben jenes Vorgangs, gängiger Weise mit Farbe auf Leinwand, schafft K.O. Götz zu Lebzeiten Strukturen, die ohne den schnellen Malvorgang, niemals möglich gewesen wären und ihn zum wichtigsten Vertreter des „Deutschen Informel“ werden ließen. Im Rahmen der Meissener „Unikate“ ist K.O. Götz ab 2010 der erste Künstler, der eine Serie seiner ikonischen Rakel-Bilder auf Porzellan schafft. Ein Novum für die Meissener Porzellanmanufaktur, gehören bis dahin vor allem naturalistische bis manieristische Malereien zum Repertoire der Porzellanmaler.
  • Jen Ray
    Nachdem sie zunächst auf Porzellan malt, kreiert die amerikanische Künstlerin Jen Ray (1970) eine Skulptur auf der Grundlage von etwas ganz Alltäglichem: Mit ihrer Axt-Serie schafft sie eine Verbindung zur Geschichte der Objekte der Manufaktur sowie zur modernen Form der Axt und der Kraft die sie ausstrahlt. Dabei lässt sie das Robuste und Derbe mit dem Sinnlichen und Organischen verschmelzen. Die Form wird schließlich mit eigens entworfenen Dekoren versehen sowie in einer Variante mit handgeformten Porzellanblumen besetzt - Bezug nehmend auf die Vergänglichkeit der Dinge, die in Rays Arbeiten zentrales Thema darstellt. In ihren großformatigen Zeichnungen, Skulpturen, Video- und Performanceinstallationen erschafft Ray eine Welt in der militante Amazonen durch dystopische Landschaften marschieren, Fantasieräume von Rebellen besetzt werden und Provokateure in prächtiger Dekadenz posieren.
  • Khaled Al-Saai
    Entkontextualisiert, voneinander losgelöst oder gestaucht arrangiert Khaleed Al-Saai (1970) Buchstaben und Wörter im imaginären Raum der Leinwand. Die ineinander gewobenen Buchstaben und Schriftzüge folgen schließlich ihrem eigenen Rhythmus und lassen hochgradig individuelle Gefühlswelten entstehen. In seinen Arbeiten lotet der syrische Künstler die Grenzen der arabischen Schrift aus. Er setzt sich mit ihren einzelnen Buchstaben auseinander, deren Formen, symbolischen, religiösen und musikalischen Ursprüngen und lässt sie zu abstrakten Zeichen werden. Khaleed Al-Saai gilt als einer der besten Kalligraphen der Welt. Für ihn ist die arabische Schrift ein Medium, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken, ohne an die Sprache gebunden zu sein. Für die Meissener „Unikate“ hat er seine Kunst auf Porzellan gebracht.
  • Daniel Spoerri
    Die Biografie des Künstlers Daniel Spoerri (1930) beginnt im Jahr 1959, als er eine Idee für eine künstlerische Darstellung hat, die ihm einen Platz in der Kunstgeschichte sichern sollte: das „Fallenbild“ („In ordentlichen oder unordentlichen Situationen zufällig gefundene Gegenstände werden genau dort, wo sie sich befinden, auf ihrer Unterlage [...] befestigt.“ Die so entstehenden Assemblagen ähnlichen Materialbilder werden schließlich an die Wand gehängt und so zu eingefrorenen Momentaufnahmen an einen bestimmten abgeschlossenen Prozess in der Realität. Daniel Spoerri gehört zu den Begründern des „Nouveau Réalisme“, einer Kunstbewegung, die sich selbst als eine neue Annäherung der Wahrnehmungsfähigkeit an das Reale definiert. Für MEISSEN übersetzte Spoerri seine ikonischen Assemblagen in feinstes Porzellan.
  • Olaf Stoy
    2017 entsteht in einer erstmaligen Zusammenarbeit der Porzellanmanufaktur Meissen mit Olaf Stoy eine Serie unikaler Büsten. Der 1959 bei Dresden geborene Stoy arbeitet im benachbarten Freital. Nach einer Ausbildung zum Keramformer in der Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden studiert er berufsbegleitend 1979 bis 1981 Grafik und Plastik an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. In den Jahren 1978 bis 2003 ist er als Formgießer, Retuscher und Chefmodelleur in der in Freital gelegenen Manufaktur tätig. Nur zwei Jahre später gründet er schließlich sein eigenes Atelier für Kunst und Gestaltung, in dem er sich ebenfalls ganz und gar der Arbeit mit Porzellan widmet. Neben Porzellan gilt Stoys Leidenschaft der Literatur. Er veröffentlicht regelmäßig Lyrik und Prosatexte.
Kampagnen
  • 01
    Künstler
    Durch die Zusammenarbeit mit Künstlern verschiedener Disziplinen wird die Manufaktur beständig zu neuen künstlerischen Höchstleistungen getrieben.
  • 02
    Limited Edition
    Der eigene umfangreiche Fundus an Formen und Farben war Inspiration für die neue „Limited Edition“ und präsentiert wiederaufgelegte Klassiker sowie historisch beeinflusste Neuschöpfungen.