MEISSEN IKONEN: DIE KRATERVASE
  • Sie ist ein in wahrhaftiges Meisterwerk: eine opulent verzierte Vase, auf der über 100 Meissener Dekormotive von 27 spezialisierten Malern in unterschiedlichen Techniken umgesetzt wurden. Die originale Form, 1856 von Ernst August Leuteritz entworfen, war mehr als 80 cm hoch und Höhepunkt auf der Londoner Weltausstellung 1862. Als Reise durch die Meissener Dekorgeschichte wurde die Vase nun wieder aufgelegt. Ausgangspunkt bildet eine detailreiche Unterglasurmalerei, gefolgt von einer beeindruckenden Bandbreite an Dekoren aus allen Manufakturepochen, deren Zusammenspiel in 233 Ausschnitten einen Ehrfurcht gebietenden Eindruck hinterlassen.

    In der ersten Produktionsphase, der Ausformung des Scherbens, wird der Körper der Vase sowie anzugliedernde Teile mittels Gipsformen ausgeformt. Diesen Arbeitsschritt unterstützend wird ein eigens entwickeltes Färbemittel eingesetzt, um innere Konturen zu kreieren und die korrekte Dicke der Vasenwände zu garantieren. Über einen Trocknungszeitraum von drei bis vier Stunden entziehen die Gipsformen dabei der flüssigen Porzellanmasse das Wasser und hinterlassen feste Rohlinge, die schließlich behutsam zusammengesetzt werden.

    Das Bossieren bedarf jahrelanger Erfahrung und Feingefühl. So müssen die verschiedenen Porzellanteile exakt auf einander abgestimmt sein. Sie werden mit flüssiger Porzellanmasse, dem sogenannten Schlicker zusammengebracht und die dabei entstehenden Nähte und Schnittstellen retuschiert. Die Blattauflagen und opulenten Griffe – welche aus einer Vielzahl an unterschiedlichen Teilen bestehen – werden mit eben derselben Präzision von Hand in mehreren Arbeitsschritten an den Vasenkörper befestigt.
"Die ebenso unvergleichliche wie faszinierende Gestaltung der Vase ist eine Reise durch das meisterlich geführte Dekorarchiv der Manufaktur Meissen."
  • Nachdem der Körper der Kratervase und die angebrachten Griffe ausreichend getrocknet sind, erfolgt der erste Brand bei 900 °C. Der Vasensockel wird gesondert hergestellt und separat gebrannt, was auch die Applikation des Meissener Markenzeichens – die Gekreuzten Schwerter – am Boden des Sockels erleichtert. Mit äußerster Sorgfalt werden diese von Hand noch vor dem zweiten Brand auf das unglasierte Porzellan aufgetragen. Das Kobaltblau der Schwerter ist eine der wenigen Farben, die dem Glattbrand bei 1.400 °C standhält. Die Kombination aus tiefem Blau und strahlendem Weiß erzeugt einen eindrücklichen Effekt, für den vornehmlich das Meissener „Zwiebelmuster“ so berühmt ist.

    Vor ihrem zweiten Brand wird die Kratervase glasiert, ein Arbeitsschritt, der die Unterglasurmalerei samt der Gekreuzten Schwerter schützt und das berühmte Strahlen des „weißen Goldes“ hervorbringt. Weitere Farben werden nun direkt auf der Glasur des glatt gebrannten Porzellans aufgemalt. Auch hier widmet man sich getrennt dem Sockel und dem Körper der Vase. Unter den vielen Dekoren finden sich berühmte Ikonen der über 300-jährigen Manufakturgeschichte: „1001 Nacht“ von Prof. Heinz Werner, zahlreiche von Kupferstichen inspirierte Blumenmotive und der wahrhaft ikonische „Ming Drache“. Zu den letzten Arbeitsschritten zählt der Dekorbrand: bei 900 °C in einem elektrischen Brennofen verbinden sich die verschiedenen Aufglasurfarben mit der Unterglasur. Fast drei Wochen dauert es, bis sich die verschiedenen Farbschichten langsam in das Porzellan eingebrannt haben und ihre strahlende Leuchtkraft erreichen.

    Online erhältlich ist eine knapp halb so große Version der 2018 erschienenen Neuauflage der Kollektion MEISSEN Ikonen, die 36 cm misst. Ihre Gestaltung, so einzigartig wie atemberaubend, ist nicht nur ein unikales Kunstwerk, sondern gleichermaßen eine Reise durch das meisterlich geführte Dekorarchiv der Manufaktur Meissen.