Limitierte Meisterwerke 2019
  • Im jedem Kalenderjahr lanciert die Porzellanmanufaktur Meissen eine limitierte Auswahl an einzigartigen Meisterwerken. Jedes Einzelne davon ist ein brillantes Beispiel für Meissens herausragende Handwerkskunst, Talent und visionären Beitrag in der Geschichte des europäischen Porzellans. Daran schließt auch die Kollektion Limitierte Meisterwerke 2019 an.

    Beginnen wir mit Anton, dem gepanzerten Nashorn. Diese markante Großplastik eines indischen Panzernashorns nach dem Bildhauer Johann Gottlieb Kirchner wurde nun erstmals in Miniaturform aufgelegt. Kirchner, der zunächst bei MEISSEN als Porzellanmodelleur tätig war, sollte im Verlaufe seines Lebens ein Meister großformatiger Tierskulpturen werden. Das gepanzerte Nashorn aus Meissener Porzellan wurde nach einem Kupferstich von Abraham de Bruyn aus dem Jahr 1583 entworfen - ein Stück, das von Albrecht Dürers berühmtem Werks "Rhinoceros" inspiriert wurde, welches selbst auf einem Holzschnitt eines unbekannten Künstlers basierte. Das gepanzerte Nashorn ist mit seinen feinen Reliefs, unzähligen skulpturalen Details und seiner filigranen Oberflächenstruktur eine wahre Meisterleistung der Bossierkunst. Johann Gottlieb Kirchner orientierte sich bei seiner plastischen Ausarbeitung eng an der Originalvorlage samt all ihrer anatomischen Unstimmigkeiten und schafft so ein Nashorn, das scheinbar eine mittelalterliche Rüstung trägt. Eine Stilisierung, die ihren Ursprung in der Realität findet, lassen die dicken Hautfalten eines indischen Panzernashorns tatsächlich den Eindruck entstehen, es sei mit einzelnen schweren Panzerplatten ausgestattet. Knochige Erhebungen an den Beinen des Nashorns überträgt Kirchner in eine an ein Kettenhemd erinnernde schuppige Struktur. Im Genick des Tieres befindet sich ein zweites kleines, gewundenes Horn ¬– eine weitere Fehlinterpretation des Lebewesens, die bereits in Dürers Holzschnitt auftritt. Unverkennbar handelt es sich um ein Fabelwesen: ein Tier, welches so nicht in der Natur existiert. Die Neuauflage für die Limitierten Meisterwerke 2019 wurde mit einem naturalistischen Rosendekor versehen, dessen zarte Blüten im imposanten Kontrast zu der plastischen Darstellung des mächtigen, martialischen Tieres stehen.
"Hagstotz gelingt es meisterlich, eine Momentaufnahme dynamischer Bewegung festzuhalten, die gleichzeitig eine besondere Energie aber auch sehnsuchtsvolle Melancholie umgibt."
  • Ähnlich gestaltet sich die wunderbare Geschichte um Johann Jacob Irmingers Meisterwerk. Entworfen nach gestalterischem Vorbild europäischer Silberservice, wird die Vase bereits 1715 erstmals als eines der ersten Weißgefäße überhaupt ausgeformt. Als Dresdens Hofgoldschmied war Irminger in der Tat der erste Modellmeister der Manufaktur. Die Art und der Überschwang plastischer Beläge bezeugen die Wesensnähe von Porzellangestaltung und Silberschmiedekunst in den Anfangsjahren der Manufaktur, noch bevor die ersten feuerfesten Porzellanfarben entwickelt wurden. Die Vase stellt eine Meisterleistung der Bossierkunst dar, mit der die Möglichkeiten des neuen Werkstoffs Porzellan gänzlich ausgelotet und dessen Feinheit gegenüber anderen keramischen Erzeugnissen virtuos zur Schau gestellt wird. Weinreben, reich behangen mit vollen Traubendolden ranken sich um den Bauch der Vase sowie ihren Hals hinauf. Detailreich texturierte Spitzblätter, friesartig entlang dem Sockel der Vase und des Vasenhalses angarniert, lassen Assoziationen paradiesischer Gärten wach werden.

    Mit seinem spektakulären Meeresbewohner bringt der junge Bildhauer Maximilian Hagstotz eine vollkommen neue, herausragende Plastik in die Kollektion. Mantarochen sind Abgesandte faszinierender und mysteriöser Meeresbewohner: zugleich vertraut, sanftmütig aber auch beängstigend, urzeitlich und doch von äußerster Dynamik. Sanft gleiten sie durch das Wasser, wirken fast gleichmütig, was um sie herum geschieht. Eben diesen Moment hat der junge Plastiker Maximilian Hagstotz in Porzellan festgehalten. Die Übersetzung des Bewegten ins Unbewegte ist zentrales Element dieser Figur. Der Rochen als Hauptelement thront und schwebt über allem als große ruhige Form. Unter ihm, die Vielfalt des Meeres als reinweiße, belebte Ausarbeitung, die sich erst nach näherem Betrachten offenbart. Schildkröte, Hai, Oktopus, Riesenmuschel, Seestern sowie ein Fischschwarm, der sich um den Sockel windet und das Auge zum Rochen führt. Dessen naturalistische Ausarbeitung hält den wellenförmigen Aufwärtsschlag der Flossen fest und fängt die hydrodynamischen Kräfte des Wassers in eleganten Schwüngen ein. Es entsteht ein spannungsvolles Wechselspiel zwischen belebtem Sockel und der glatten Linienführung des Rochens, bei dem einzig der Rücken flächig bemalt wurde. Hierfür wird eine Unterglasurfarbe zur Dekoration der Plastik verwendet - eine Neuheit im Repertoire der Manufaktur. Im Zusammenspiel mit der Glasur lässt sie die Oberfläche fast nass erscheinen und erzeugt eine organische Haptik, die an Rochenhaut erinnert. Durch das sofortige Einsinken der Porzellanfarbe in den rohen Scherben weist jeder Rochen eine einzigartige Färbung auf. Mit dieser außergewöhnlichen Plastik ist es Hagstotz gelungen, eine Momentaufnahme dynamischer Bewegung festzuhalten, die gleichzeitig eine Energie aber auch eine sehnsuchtsvolle Melancholie umgibt. In der Tat ist es, wie bei so manchem Meisterwerk, dass es der perfekte Einklang von Widersprüchen ist, der das Stück zu einem wahren Wunder macht.